- Der Rhein als Konfliktthema zwischen deutschen und französischen Historikern - Für eine Geschichte der Grenzmentalitäten in der Zwischenkriegszeit
- Didaktische Relevanz
- Fragestellung
- Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln
- Vom Einfluß der Stereotypen
- Krieg und Pazifismus im Frankreich der 1930er Jahre - Beispiel Canard enchaîné
- Krieg und Propaganda im Simplicissimus nach 1933
- Das Bild des Anderen in der satirischen Propaganda
- Bibliographische Hinweise
- Spielball der Rivalen: Elsass und Lothringen zwischen Frankreich und Deutschland
- Der Elsässer Jean-Jacques Waltz alias Hansi und seine anti-deutschen Texte und Bilder als Medien im Geschichtsunterricht
- Lieux de mémoire: Politischer Totenkult in Frankreich und Deutschland
- Krieg und Aussöhnung
'Quelle 9 (Übersetzung): Artikel und Karikaturen aus dem Canard enchaîné (1932-1940)'
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Ultimatum, Mobilmachungen und Kriegserklärung - Am Fenster
[...] Also wirklich, diese Deutschen - denn sie verdienen gar nicht mehr, "Boches" genannt zu werden - sind dümmer als die Polizei erlaubt. Wieso? Da sind sie doch vom Militärdienst befreit und fangen unnötigerweise an, Soldaten zu spielen und sich "Stahlhelm" oder "Sturmtruppen" zu nennen, einfach so aus Spaß. Also nein! Eine solche Dummheit kann man sich kaum vorstellen. Aber muß man sie dafür verurteilen? Wer weiß, was sich bei uns abspielen würde, wenn man wie in Deutschland von einem Tag auf den andern das stehende Heer abschaffen würde? Wer weiß, ob wir nicht genau wie sie anfangen würden, Soldaten zu spielen? Denn ich fürchte, daß diesseits und jenseits des Rheins und aller anderen Flüsse die Völker alle gleich dumm sind und ihnen deshalb die Kaserne im Blut liegt. Wenn man mir also weismachen will, daß es keine Kriege mehr geben wird, kann ich dazu nur müde lächeln...
Le Canard enchaîné, 14. September 1932, S. 1
Reisenotizen
[...] Aachen. Es ist Feiertag. Die Nazis spazieren nach Kommissarmanier paarweise auf den Gehsteigen; Uniformfarbe: kanarien- und ockergelb. Brandneue Kleidung, Riesenkäppi, herrliche braune Lederstiefel und der symbolische kleine Dolch, der vom Gürtel hängt. Es sind gesunde Spaßmacher dabei, alte grauhaarige Haudegen und auch einige ungleiche Pärchen, die zum Lachen reizen: ein fetter Nazizwerg neben einer Bohnenstange mit Brille.
Ich esse in einer einfachen Brasserie zu Abend, wo die Portion Sauerkraut, die mir serviert wird, ohne weiteres vier Personen mittleren Appetits zufriedenstellen könnte. Die Bedienung spricht tadellos französisch. Während die Gäste Pilsener oder Münchner Bier zu sich nehmen, spielt ein Tiroler Orchester auf einem kleinen Podest, und eine Sängerin mit spitzem Hut gibt "Tra-la-la-i-o" zum Besten. Diese Tiroler mit ihren fröhlichen Gesichtern erinnern mich an ihre Kollegen, die bis in die letzten Julitage des Jahres 1914 auf dem Weißen Platz im "Bal du Moulin-Rouge" gastierten; doch fehlen jetzt die Revolverschüsse, die damals bestimmte lautstarke Finalsätze zierten.
[über einen deutschen Kriegsfilm: dem Autor des Artikels zufolge ähnelt er französischen Filmen dieser Art; das Publikum zeigt sich keineswegs besonders enthousiastisch, als die deutschen Soldaten gegen Rußland den Sieg davontragen]
Es ist Nacht geworden. Die Nazis, die zu zweit in der Stadt spazierengingen, haben sich jetzt auf dem großen Platz versammelt und marschieren zu viert auf, Hakenkreuzflagge voran. Unter den Spaziergängern, die unter den Bäumen ruhig ihre Zigarre rauchen, verschwinden die einen in den Seitensträßchen, andere heben ziemlich nachlässig den Arm, wenn die Hakenkreuzflagge an ihnen vorbeigetragen wird. Die Begeisterung für die täglichen oder wöchentlichen Stechschritte gehört wohl der Vergangenheit an... Allerdings befinden wir uns nicht in Bayern oder Preußen, sondern im Rheinland.
[über einen Aufenthalt in einem Dorf in der Eifel und in Luxemburg] Le Canard enchaîné, 9. Juni 1937, S. 3
[Unübersetzbares Wortspiel:] Et elle fait toutes ses gammes en forme de croix... Und sie spielt alle ihre Tonleitern [gammes] in Kreuzform...
Das Wortspiel fußt auf der französischen Übersetzung von "Hakenkreuz": croix gammée, und auf der Assoziation von gamme = Tonleiter, und gammée = "Haken-"
Aus: Le Canard enchaîné, 30. Juni 1937, S. 3
