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'Quelle 2 (Übersetzung): Auszüge aus zwei französischen Schulbüchern (beide 1922 erschienen)'
 
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[...] Europa war in zwei Bündnissysteme aufgeteilt, die sich aufzuwiegen schienen [Dreibund und dreifache Entente] Aber während die Mächte der dreifachen Entente nur versuchten, den Frieden und das Gleichgewicht der Kräfte in Europa zu erhalten, erstrebte Deutschland unter Wilhelm II. eine politische Vormachtstellung, was schließlich zum Krieg führen sollte. [...]

Die deutsche Mentalität

Betört durch ihre militärischen und wirtschaftlichen Erfolge hatten die Deutschen wirklich wie kein anderes Volk eine imperialistische und kriegslustige Mentalität. Genau analysiert liegt so in der deutschen Mentalität, die aus Neid, Stolz, riesiger Herrschsucht und Gewaltverherrlichung bestand, die entscheidende Kriegsursache.

Frankreich und sein reiches Kolonialreich waren das bevorzugte Objekt der neidvollen deutschen Besitzansprüche. Wir haben schon gesehen [Verweis], mit welcher Geschwindigkeit sich Bevölkerung, Industrie und Handel in Deutschland seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt hatten. Aber England und den USA gegenüber, die seine großen Konkurrenten waren und denen es die wirtschaftliche Vormacht streitig zu machen suchte, litt Deutschland unter seiner territorialen und kolonialen Unterlegenheit. Daher rührt die in Deutschland damals geläufige Einschätzung, daß die Grenzen des Reiches zu eng geworden und auf Kosten Frankreichs auszuweiten seien, weil dieses Land weniger dicht bevölkert, an Kolonien viel reicher und gleichzeitig in raschem Niedergang befindlich sei - so die deutsche Ansicht. Unser Militärbeauftragter in Berlin schrieb 1913: "Die deutsche öffentliche Meinung findet, daß wir mit unseren 40 Millionen Einwohnern einen zu großen Platz an der Sonne einnehmen."

Um dieses Plünderungsprogramm zu verwirklichen, schreckten Deutschland, oder genauer gesagt die deutschen Führungsschichten vor einem Krieg nicht zurück. Fast die gesamte deutsche Elite, die nach dem Vorbild Friedrichs II. und Bismarcks erzogen war, proklamierte, daß ausschließlich Macht Recht schafft, daß folglich Krieg eine politisch notwendige und gerechtfertigte Maßnahme darstellt. Diese Doktrin beruhte auf der von allen Deutschen geteilten Überzeugung, daß kein Heer der Welt den deutschen Soldaten gewachsen sei.

Aus: MALET (Albert), ISAAC (Jules), Histoire de France et notions d'histoire générale de 1852 à 1920. Troisième année du Brevet Elémentaire, programme de 1920. Ecoles primaires supérieures, Cours complémentaires, Préparation au Brevet élémentaire. Paris, Hachette, 1922, 318 S. [S. 236/7]

Die deutsche Entscheidung für den Krieg

[...] Jüngste Enthüllungen haben schlagartig das vorsätzliche Vorgehen Deutschlands erhellt. Am 5. Juli 1914, sieben Tage nach dem Mord an Erzherzog Franz-Ferdinand - dies war nur der Auslöser, keineswegs aber die Ursache des Großen Krieges -, versammelte sich der Kronrat in Potsdam. Dort kam man bezüglich des von der österreichischen Regierung zu verfolgenden Planes überein: [Fußnote: "In der entscheidenden Potsdamer Beratung vom 8. Juli hat die Anfrage Wiens die absolute Zustimmung aller führenden Persönlichkeiten gefunden, und man hat sogar inzugefügt, daß nichts dagegen einzuwenden sei, wenn dabei ein Krieg gegen Rußland herauskomme" (Dr Muehlon, Bulletin n° 12). Ein Krieg mit Rußland! Aufgrund der Bündnismechanismen bedeutete dies Krieg in ganz Europa.] Infolge des Anschlages, dessen Schuld uneingeschränkt auf Serbien geschoben würde, sollte Wien von Serbien Entschädigungen fordern, die dieses niemals akzeptieren könne, und auf seine Weigerung hin würde der Krieg erklärt; Rußland käme dann Serbien zu Hilfe; Deutschland würde Österreich unterstützen.
Am nächsten Tag verließ Wilhelm II. Berlin zu einer Kreuzfahrt im Nordmeer. [...]

Verzögerungstaktik in Berlin (26.-29. Juli)

Im Laufe dieser Vorbereitungen hat die deutsche Reichskanzlei überhaupt nicht versucht, die serbisch-österreichische Krise zu entschärfen. Sie hat im Gegenteil alles getan, um die Verhandlungen solange dauern zu lassen, bis das Heer mobilisiert und in Stellung gebracht wäre. Die Entscheidungskraft kam von der Entente.

[Bericht über ihre diplomatischen Initiativen]

Aus: DEVEILLE (L.), GIRAUD (Jean) (dir.), Histoire Contemporaine de 1815 à 1920. Classe de Philosophie et de mathématiques, programme de 1902. Paris, Gigord, 1922, 1231 S. [S. 1093/4, 1098]

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